Begriff
Unter "Hilfe leisten" ist jegliche Funktätigkeit gemeint, welche der direkten oder indirekten Hilfeleistung im Katastrophengebiet oder am Unfallort dient. Somit sind in diesem Abschnitt Informationen zum Aufbau eines Funknetzes am Ereignissort und zur Kontaktaufnahme nach Aussen zu finden. Gleichzeitig sollen aber auch Anregungen gegeben werden, wie sich eine Amateurfunkerin oder ein Amateurfunker im Falle verhalten soll und kann, wenn ein Ereignis an einem anderen Ort, in einem anderen Land oder gar auf einem anderen Kontinent stattfindet oder stattgefunden hat.
Vorbereitung
Die besten Absichten können nicht von Erfolg gekrönt sein, wenn nicht vorgängig, also vor Eintritt des Ereignisses ein minimales Mass an Vorbereitungsarbeit geleistet wird. Doch keine Angst, so aufwendig ist das denn nun auch wieder nicht; indem sie bis hierhin vorgestossen sind, haben sie einen ersten Teil dieser Arbeit bereits gemacht:
Sie informieren sich !
Eine der wichtigsten Aufgaben bei der Vorbereitung ist das Zusammentragen von Informationen über Relais mit Notstromversorgung im Einzugsbereich ihrer Station. Daneben sollten Merkblätter betreffend Vorgehen im Notfall sowie mit den wichtigsten Notrufnummern (Telefon) der örtlichen Hilfsorganisationen vorhanden sein. Diese Unterlagen sollten, am besten in einem Heft oder Ordner zusammengefasst und möglichst griffbereit, in der nähe der Funkausrüstung untergebracht sein. Zudem sollten die Informationen regelmässig auf ihre Aktualität hin überprüft werden.
Daneben sollte ihre Funkanlage über genügend Reservematerial verfügen, um kleinere Reparaturen an Kabeln und Antennenanlagen autonom vornehmen zu können. Sollten sie im Besitz einer tragbaren Funkausrüstung sein, sollte diese nebst genügend Antennenkabel und Steckermaterial auch über Ersatzakkus verfügen, so dass ein unabhängiger Betrieb während mehreren Stunden aufrecht erhalten werden kann.
Schliesslich sollte ihre Notfallausrüstung auch über genügend Papier und Schreibmaterial verfügen. Es ist nicht unbedingt notwendig, dass es sich dabei um vorbereitete Telegrammformulare handelt, aber es sollte möglich sein, abgehende und empfangene Meldungen auf Einzelblättern aufzuschreiben und diese an die entsprechenden Stellen weiterzugeben. Daneben ist es sicher nicht falsch, ein einfaches Logbuch zu führen.
Eine Checkliste vereinfacht die Bereitstellung und dient in der Hitze des Einsatzes als wertvolle Gedankenstütze.
Kontaktaufnahme
Die Kontaktaufnahme geschieht abhängig davon, ob sie sich im oder ausserhalb des vom Notfall betroffenen Gebietes befinden:
Ausserhalb
Wenn sie von einem Ereignis hören, bei welchem damit zu rechnen ist, dass Notfunkverbindungen notwendig werden, vergewissern sie sich zuerst, ob es ihnen überhaupt möglich ist, Hilfe zu leisten. Sollten sie sich entschliessen, Hilfe zu leisten, bedeutet dies, dass sie ihr Funkgerät unter Umständen während längerer Zeit nicht verlassen können und ständig empfangsbereit sein sollten. Es macht also keinen Sinn, sich für eine Hilfeleistung zu melden, wenn in einer halben Stunde ein wichtiger, unverschiebbarer Termin ansteht oder anderweitige Verpflichtungen rufen.
Sind sie bereit, Hilfe zu leisten, überprüfen sie zuerst ihre Funkausrüstung und bereiten sie ihren Arbeitsplatz vor. Dazu gehört auch, dass sie sich mit Lebensmitteln und Getränken für die nächsten paar Stunden versorgen oder diese Versorgung sicherstellen lassen.
Schalten sie ihr Funkgerät ein und beginnen sie die einschlägigen Frequenzen zu überwachen. Machen sie sich dabei Gedanken, welches Band für welches Ereignis am sinnvollsten eingesetzt werden kann. Es kann dabei davon ausgegangen werden, dass immer das einfachste Material zum Einsatz kommen wird, da hier die Fehlerquellen am kleinsten sind. Anders gesagt wird man für Verbindungen zuerst auf die vorhandenen UHF- und VHF-Relais zurückgreifen und erst in den HF-Bereich wechseln, wenn über die hohen Frequenzen keine Verbindungen möglich sind.
Wenn sie eine Station hören, welche eine Verbindungsanfrage tätigt, melden sie sich mit Rufname und Standort. Rufen sie nicht in laufende QSO's anderer Stationen und senden sie selbst keine Verbindungsanfragen.
Werden sie angesprochen, melden sie sich, nehmen sie die Meldung wortwörtlich auf und geben sie diese mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln (Telefon, Meldeläufer, Fax etc.) an den Empfänger weiter.
Im Einsatzgebiet
Nach einem Ereignis folgt immer eine Phase des absoluten Chaos. In dieser Phase sollten sie sicherstellen, dass sie und ihre Angehörigen in Sicherheit sind. Erst wenn dies der Fall ist, sollten sie daran denken, anderen Hilfe zu leisten. Überprüfen sie ihre Funkausrüstung und besorgen sie sich genügend Lebensmittel und Getränke, um mehrere Stunden autonom zu sein.
Nehmen sie Kontakt mit der örtlichen Einsatzleitung auf. Melden sie sich dazu mit ihrem Material beim Sammelplatz der Rettungskräfte und warten sie auf Anweisungen. Es ist von Vorteil, wenn sie den Einsatzkräften eine Liste ihrer Ausrüstung, versehen mit ihrem Rufzeichen und ihrem Namen übergeben können.
Wird ihnen mitgeteilt, dass ihre Hilfe im Moment nicht gebraucht wird, und das kann ohne weiteres vorkommen, hinterlassen sie, wo sie zu erreichen sind und kehren sie zu ihren Angehörigen zurück. Schalten sie ihre Funkgeräte in diesem Fall nicht ein; es besteht die Möglichkeit, dass die Einsatzleitung später auf sie zurückgreifen wird. In diesem Fall sollten sie noch über genügend geladene Akkus verfügen.
Erhalten sie von der Einsatzleitung einen Auftrag, versuchen sie diesen nach bestem Wissen und Gewissen zu erfüllen. Entwickeln sie dabei nur soviel Eigeninitiative wie sie für die Erfüllung des Auftrages müssen. Auch wenn sie nicht bei allen Aufträgen, die sie erhalten, einen Sinn erkennen können, versuchen sie diese trotzdem zu erfüllen, es könnten Menschenleben davon abhängen!
Grundsatz
Ihre Aufgabe als Kommunikationsspezialistin oder Kommunikationsspezialist ist es, Verbindungen herzustellen und Nachrichten zu übermitteln. Die Führung und die Organisation der Hilfeleistung ist Aufgabe von Behörden und Hilfsorganisationen !